Sojafrei Milchkühe füttern – billiger und besser?
Die Kosten für Eiweißfuttermittel sind in den letzten Wochen stark gestiegen. Die Ursachen dazu werden in Fachkreisen intensiv diskutiert. Da die Futterkosten ohnehin einen gewichtigen Anteil an den Produktionskosten haben, sind Wege aus dieser Eiweiß-Kostenspirale trotz leistungsgerechter Fütterung gefragter denn je.
Wussten Sie, dass die Eiweißversorgung bei Milchkühen nicht nur die Milchleistung sondern auch die Grundfutteraufnahme beeinflusst? Die Versorgung der Pansenbakterien mit ausreichend Stickstoff bzw. Eiweiß ist notwendig zur Maximierung der Pansenfermentation. Läuft die Fermentation auf „Volllast“ im Pansen, wird die maximale Grundfuttermenge von der Kuh gefressen. Das erklärt auch, weshalb bei Eiweißmangel die Milchleistung und Grundfutteraufnahme zurückgeht. Die Pansenbakterien erhalten ausreichend Stickstoff, wenn der Milchharnstoffgehalt zwischen 20 und 30 liegt.
Soja: ein König fällt vom Thron
Seit vielen Jahren ist Sojaextraktionsschrot in Österreich und vielen anderen Ländern ein Rationsbestandteil bei Milchkühen. In Österreich wird aufgrund der GVO-freien Milcherzeugung seit einigen Jahren ausschließlich „GVO-freier Soja“ (= nicht kennzeichnungspflichtiger Sojaextraktionsschrot) eingesetzt. Dabei ist man temporär mit einem Preisunterschied zu gentechnisch verändertem Soja von 60 €/t und mehr konfrontiert. Natürlich ist GVO-freier Soja prinzipiell verfügbar, wenngleich eine zeitweise Versorgungsknappheit niemals ausgeschlossen werden kann. Wir sollten aber nicht ignorieren, dass weltweit die Anbaufläche von gentechnisch verändertem Soja Jahr für Jahr zu steigt, wie Abbildung 1 zeigt.
Abbildung 1: Immer größere Teile der weilweiten Sojaernte sind gentechnisch verändert (Quelle: transgen.de)
Die Frage inwieweit Soja in der Milchviehfütterung durch andere europäische Eiweißfuttermittel ersetzt werden kann, wurde in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum mehrfach untersucht. Die Milchkühe in den Fütterungsversuchen bewegten sich auf einem Leistungsniveau von 8.000 – 11.000 kg Laktationsleistung. Die Ergebnisse zeigen übereinstimmend, dass Soja durch beispielsweise Raps zu 100% ohne Leistungseinbußen bei Milch und Fruchtbarkeit ersetzt werden kann. Wer aufmerksam Fachzeitungen in den letzten Jahren gelesen hat, weiß dass Raps sogar besser milkt als Soja.
Lasst die Kühe sprechen
Milchkühe sojafrei zu füttern ist für Futterberater älteren Denkens ein Ding der Unmöglichkeit. Diese verstaubte Einstellung hat mit einer zeitgemäßen, wirtschaftlichen Milchviehfütterung nichts zu tun und ist überholt. Die Einzigen, die die Praxistauglichkeit der sojafreien Fütterung objektiv beurteilen können, sind unsere Milchkühe. Forschungsanstalten haben mit verschiedensten, praxisüblichen Rationen den Sojaersatz untersucht und den Effekt auf die Leistung genau gemessen. Erste Versuche zu diesem Thema wurden übrigens bereits in den 90er Jahren gefahren und werden bis heute durchgeführt. Die in den Versuchen gemessenen Gruppenmittelwerte der Milchleistung für die gesamte Versuchsperiode reichten von 25 bis 40 kg. Die in den Fütterungsversuchen eingesetzten Rapsmengen lagen teilweise über 4 kg/Kuh/Tag. Wird die gefütterte Eiweiß- und Energiemenge von Soja durch Raps ersetzt, bleibt die Leistung zumindest gleich bzw. steigt sogar leicht. Neueste Versuche von deutschen Landwirtschaftskammern zeigen, dass bei Maissilage betonten Rationen (1/2 Maissilage und mehr) der Wechsel von Soja auf Rapsextraktionsschrot in Kombination mit einigen Gramm Futterharnstoff die Futteraufnahme und Milchleistung steigt. Dieser Effekt wurde bei einem Leistungsniveau von 38 kg Milch gemessen! Überzeugend, finden Sie nicht?
Wer soll Soja ersetzen?
Eiweißfuttermittel und ruminale Stickstoffquellen wie Rapsextraktionsschrot, -kuchen, Futterharnstoff, Getreideschlempe (z. B. ActiProt®) RaPass® (pansenstabiler Rapsextraktionsschrot) werden in Zukunft um neue, hochproteinhaltige Eiweißfutter ergänzt werden. Intensive Aktivitäten in diesem Zusammenhang laufen zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Abbildung 2 zeigt den für die Milchbildung wichtigen nXP-Gehalt ausgewählter Eiweißfuttermittel.
Abbildung 2: Soja GVO-frei hat einen niedrigeren nXP-Gehalt als RaPass®
Eiweißqualität = AminoBalance
In der ersten Laktationshälfte sollte bei Hochleistungskühen Augenmerk auf das Aminosäurenmuster im UDP (pansenstabiles Eiweiß) gelegt werden. Wird mit Schlempen im Kraftfutter gearbeitet, kann es zu einem leistungsmindernden Aminosäuremuster in der Ration kommen, wie amerikanische Studien zeigen. Bei GARANT erfolgt die Bilanzierung von Lysin und Methionin im nXP seit mehr als 3 Jahren mit dem einzigartigen System „AminoBalance“ in den Hochleistungssorten KuhKorn Select Profi und -MegaLak. Dabei handelt es sich um Fertigfuttersorten die ausschließlich in der 1. Laktationshälfte eingesetzt werden.
Ist geschütztes Eiweiß noch ein Thema?
Geschütztes Eiweiß kam in den 90er Jahren mit Einführung des nXP-Systems auf. Dieses Proteinbewertungssystem (nXP = nutzbares Rohprotein) hat nach wie vor Gültigkeit und wird tagtäglich in der Fütterungsberatung in Deutschland und Österreich verwendet.
Kühe haben nach dem nXP-System ab ca. 30 ltr. Milch einen Bedarf an geschütztem Eiweiß (je nach Grundfutteraufnahme und Milchleiweißgehalt). Auf einen Mangel an nXP reagieren Hochleistungskühe zu Laktationsbeginn mit einem Milchproteingehalt unter 3,2%. Weltweit wurde der Effekt von geschütztem Rapsschrot in den ersten 200 Laktationstagen vielfach bewiesen.
Fütterungsversuche mit RaPass® ordnen sich in die Reihe von leistungsfördernden geschützten Eiweißfuttermitteln ein. RaPass® ist das einzige in Österreich (Pöchlarn) hergestellte, geschützte Eiweiß. Das in Pöchlarn verwendete Herstellungsverfahren wird international angewandt. Somit ist die Herstellung von RaPass® in Kanada, Skandinavien, Deutschland usw. ident mit jener bei GARANT (Abbildung 2). Die Bedeutung von geschütztem Eiweiß wird in Zukunft weiter zunehmen, da züchterisch das Leistungspotenzial steigt.
Sojafrei füttern in der Praxis
Sojafreie Fütterungskonzepte von GARANT werden aktuell im hohen bis sehr hohen Leistungsbereich mit großer Leistungssicherheit umgesetzt. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Möglichkeit des Sojaersatzes werden mit dem Kostenvorteil der sojafreien Fütterung in den GARANT-Fütterungskonzepten kombiniert (DuoProfit). Ein innovativer und wichtiger Baustein zur Weiterentwicklung der Rentabilität Ihrer Milchviehbetriebe!
Tabelle 1: Sojafreie Fütterungskonzepte für hochleistende Milchkühe im Laktationsverlauf
| 25 ltr. Milch Spätmelk | 40 ltr. Milch frischmelk |
2/3 Gras-, 1/3 Maissilage | 4 kg RinderKombi 25 | 4 kg RinderKombi 25 + 6 kg KuhKorn Select MegaLak |
100% Grassilage | 3-4 kg KuhKorn Kompakt 153 | 3 kg KuhKorn Kompakt 153 7-8 kg KuhKorn Select MegaLak |
Gras- und Maissilage 1:1 | 4 kg RinderKombi 36 | 4 kg RinderKombi 36 5-6 kg KuhKorn Select MegaLak |
Mischration: 40% Mais-, 60% Grassilage, Getreide | 3 kg RinderKombi 39H im Mischwagen | 3 kg KuhKorn Kompakt 183 4 kg KuhKorn Select MegaLak |
Die bedarfsgerechte Mineral- und Vitamin- sowie Strukturversorgung erfolgt zusätzlich je nach Grundfutterqualität.
Fazit
Die Eiweißversorgung beeinflusst die Grundfutteraufnahme und –leistung von Milchkühen. Eine zeitgemäße Eiweißversorgung berücksichtigt das Abbauverhalten und die Pansenstabilität der verschiedenen am Markt angebotenen Eiweißfuttermittel. Auf Soja kann mittlerweile auch über 10.000 kg Herdenleistung verzichtet werden. Das hilft Kosten sparen ohne Leistung zu verschenken.
DI Matthias Lins, Produktmanager Wiederkäuer



