``Ich wurde schon gefragt, ob ich einen Vogel habe!``
Eine Erfolgsgeschichte von einem erfolgreichen Putenmäster
Seit 2021 betreibt Matthias Hetzendorfer im niederösterreichischen Pfaffenschlag eine Putenmast. Und konnte damit den Betrieb von Neben- auf Vollerwerb umstellen.
Von Ursula Rischanek




Das Fiepen und Piepsen der Putenküken ist bereits im Vorraum zum Stall nicht zu überhören. „Kein Wunder bei rund 9.300 Küken“, sagt Matthias Hetzendorfer, Geschäftsführer des gleichnamigen Putenmastbetriebes in Pfaffenschlag bei Waidhofen/Thaya. Noch lauter wird das Küken-Konzert beim Betreten der Halle. Wie gelbe Wollknäuel wuseln die Kleinen herum, wie Hunde folgen sie den Besuchern. ,,Vorsicht beim Gehen. Am besten ist es, wenn man die Füße nicht wie gewohnt aufsetzt, sondern schlurft. Dann ist die Gefahr, auf ein Küken zu treten, am geringsten“, rät Hetzendorfer.
Erst seit wenigen Tagen sind die Küken, die kurz zuvor in der Brüterei Miko in Oberösterreich geschlüpft waren und gleich nach Geschlechtern getrennt wurden, hier eingestallt. ,,Wir bekommen alle 18 Wochen Küken, überwiegend Hennen“, sagt Hetzendorfer alias „Putenhias“. Um später Verletzungen zu vermeiden, werden diesen noch in der Brüterei mittels Laser die Blutgefäße an der Schnabelspitze verödet, woraufhin diese abfällt. Schlussendlich werden jeweils 100 Tiere in Kartons gepackt und im klimatisierten LKW geliefert.
Hunger der Küken ist groß

Dort hat man sich bereits auf die Ankunft der Küken vorbereitet: Die Halle wurde nach der letzten Partie gereinigt und desinfiziert, die Futterstellen und Tränken auf die entsprechende Höhe eingestellt und Futter von Garant Tiernahrung, bestehend aus einer Mischung aus Weizen, Mais, Soja, Mineralstoffen und Vitaminen, verteilt. ,,Anfangs ist der Boden noch mit Futterpapier ausgelegt. Wenn die Küken nach einigen Tagen wissen, wo die Futter- und Wasserstellen sind, wird Stroh eingestreut“, erklärt Hetzendorfer, der die Putenmast seit 2021 betreibt. Auch die Beleuchtung, die die ersten drei Tage ebenfalls aus diesem Grund rund um die Uhr brennt, wird dann wieder auf Tag- und Nachtbetrieb umgestellt. Der Hunger der Küken ist groß: Sie verzehren rund 150 Gramm pro Tag und legen im Schnitt 30 Gramm pro Tag an Gewicht zu. Der Appetit bleibt: Pro Partie werden rund 350 Tonnen Futter an die Puten verfüttert.
Von den tiefen Außentemperaturen ist im Inneren der Küken-Halle nichts zu spüren – die Lufttemperatur beträgt 34, die Bodentemperatur 32 Grad Celsius. Für Erstere sorgen Gaskanonen, für Zweitere eine Fußbodenheizung. Um Zugluft bei den Auslaufklappen zu verhindern, wird die Zuluft ebenfalls über Ventilatoren gesteuert. ,,Die Küken brauchen es in den ersten Wochen warm“, sagt der Putenmäster.
Voller Testosteron

Deutlich kühler und auch lauter ist es hingegen im anderen Teil der Halle, in dem die aktuell 17 Wochen alten Puten untergebracht sind. Immer wieder flattern ein paar Tiere in die Höhe, Federn fliegen durch die Luft. Bei einigen leuchten die eigentlich blassroten Kopfanhänge in kräftigem Rot. ,,In diesem Alter sind die Hähne voll Testosteron, sie werden zu richtigen Kampfhähnen“, schmunzelt Hetzendorfers Lebensgefährtin Katrin, die ihn neben ihrem Job in einem Büro tatkräftig unterstützt. „Wann immer ich sie brauche, ist sie da. Nicht nur, wenn die Technik spinnt, auch die Tiere brauchen trotz modernster Stalltechnik immer Betreuung“, sagt der 43jährige.
Nur noch rund drei Wochen, dann werden die Puten unter Aufsicht eines Geflügeltierarztes verladen und zum Schlachtbetrieb gebracht. ,,Wir betreiben die Mast nach Haltungsform III, erhöhtes Tierwohl, der deutschen Tierwohl-Standards“, erklärt der Landwirt. Demnach dürfen Hennen frühestens nach 100 und Hähne nach 140 Tagen zum Schlachten gebracht werden. Die maximale Besatzdichte liegt bei dieser Haltungsform bei 37,5 Kilo weibliche und 40 Kilo männliche Puten pro Quadratmeter. Auch Aufsitzflächen an den Wänden sowie ein Auslauf nach draußen, der so genannte Wintergarten, sind vorgeschrieben – damit soll den Tieren noch mehr Bewegung ermöglicht werden. Während die Küken erst nach sechs Wochen in den Wintergarten dürfen, steht er den größeren Puten so gut wie immer zur Verfügung.
Richtiger Zeitpunkt

Die Idee, in die Putenmast einzusteigen, ist dem 43-Jährigen im Zuge der Übernahme des Betriebes im Jahr 2020 gekommen. ,,Ich wollte ihn nicht im Neben-, sondern im Haupterwerb führen“, erzählt Hetzendorfer. Zum einen, da er stets sein eigener Chef sein und sich die Arbeit selbst einteilen wollte. Zum anderen, um ebendiese zum richtigen Zeitpunkt erledigen zu können. ,,Aber als Angestellter wäre das unter Umständen nicht möglich. Wenn ich den richtigen Zeitpunkt verpasse, wirkt sich die Zeitverzögerung unter Umständen negativ auf die Frucht aus“, so Hetzendorfer. Auf der Suche nach einem zusätzlichen Standbein habe er sich zuerst für Hühnermast interessiert, dann aber doch für Puten entschieden – nicht zuletzt, da er einige Zeit in einem Putenmastbetrieb in der Umgebung gearbeitet hat. Wie bei vielem anderen auch, hat in seinem Fall die Pandemie den Bau der 100 Meter langen und 20 Meter breiten Halle verzögert – letztendlich hat dann doch alles geklappt, 2021 sind die ersten Puten dort eingezogen. ,,Natürlich wurde ich angesichts meines Planes gelegentlich gefragt, ob ich einen Vogel habe“, erinnert sich Hetzendorfer.
Der Großteil der Puten wird für die Süddeutsche Truthahn AG gemästet – daher auch die Haltungsbedingungen nach deutschen Tierwohl-Standards -, ein kleiner Teil wird jedoch selbst geschlachtet und an Privatkunden verkauft. ,,Beim ersten Mal haben wir 15 geschlachtet, zwölf davon waren reserviert. Mein Vater hat gemeint, das seien viel zu viele. Aber am Ende ist für uns selbst fast kein Fleisch übrig gewesen“, erinnert sich der gelernte Fliesenleger, der später noch die Ausbildung zum Landwirtschaftlichen Facharbeiter absolviert hat.
Während die Putenmast als GmbH firmiert, wird der ursprüngliche Betrieb als pauschalierter Betrieb geführt. Auf rund 18 Hektar wird klassische Marktfrucht angebaut, daneben gibt es noch eine Rindermast mit jeweils etwa 15 Kalbinnen. Weiters gibt es noch zwölf Hektar Wiesen: Der erste Schnitt wird fremd vermarktet, meist als Heu für Pferde, der Rest wird an die eigenen Rinder verfüttert. Damit schließt sich ein Kreislauf, denn die Gülle wiederum wird als Dünger auf den Wiesen verwendet. Hetzendorfer hat aber noch weitere Ideen: Derzeit überlegt er, im Rinderstall eventuell auch eine Box für Schweine zu errichten. ,,Ich bin gerne Vollerwerbslandwirt, es gibt ja ohnehin immer weniger. Aber ich muss schon sagen, dass man dazu einen guten Enthusiasmus braucht“, sagt Hetzendorfer.
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Aktualisiert am 18. März 2026









